Qualitätskonferenzen
Im Dezember 2021 startete das KKN die Veranstaltungsreihe Onkologische Versorgungsrealität Niedersachsen. Seither finden die Qualitätskonferenzen als Gemeinschaftsprojekt mit dem Comprehensive Cancer Center Niedersachsen (CCC-N) sowie kooperierenden zertifizierten Onkologischen Zentren des Landes statt. In bis zu vier Veranstaltungen im Jahr an wechselnden Standorten widmen sich die Kooperationspartner jeweils einer Tumorentität. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Informationen zur aktuellen Studienlage sowie zu den S3-Leitlinien aus dem Bereich Onkologie sind beständige Themen. Darüber hinaus stehen die Diskussion von Ergebnissen der versorgungsnahen KKN-Daten sowie Themen rund um das Qualitätsmanagement bei der Versorgung krebskranker Patientinnen und Patienten auf dem Programm.
Im vorliegenden Bericht wird auf die Qualitätskonferenz zu den Lymphomen (November 2024) sowie auf die im Jahr 2025 durchgeführten Konferenzen zu den Themen Prostatakarzinom, kolorektales Karzinom und Lungenkarzinom eingegangen. Bei den Qualitätskonferenzen waren im Schnitt rund 90 Personen virtuell oder vor Ort anwesend. Zu den Teilnehmenden zählen vor allem Ärzte aus dem ambulanten oder stationären Bereich, Dokumentationskräfte und Mitarbeitende aus dem Qualitätsmanagement. Im Vorfeld der Konferenzen wurden jeweils Rückmeldeberichte zu der spezifischen Entität an die Meldenden versendet. Zusätzlich werden einmal pro Jahr ein allgemeiner Rückmeldebericht, in dem über alle Diagnosen berichtet wird und quartalsweise Meldungsberichte versendet, die über die Datenqualität der eingegangenen Meldungen informieren. Insgesamt wurden im Jahr 2025 über 9.000 Berichte verschickt.
Bei der Interpretation der folgenden Ergebnisse und insbesondere der Ergebnisse der Qualitätsindikatoren ist darauf zu achten, dass diese von der Vollzähligkeit und Vollständigkeit der Meldungen beeinflusst werden. Auch Verzögerungen bei den Meldungen, die Genauigkeit spezifischer Angaben und die Definition eines Indikators spielen eine Rolle bei der Auswertbarkeit der klinischen Daten.
Die folgenden Darstellungen beinhalten eine Zusammenfassung der Auswertungen der Daten des KKN, die während der Qualitätskonferenz zur Entität Lymphome im Rahmen der Veranstaltungsreihe Onkologische Versorgungsrealität Niedersachsen vorgestellt wurden. Der Fokus hierbei liegt auf den Therapien sowie der Behandlungsqualität in Form von Qualitätsindikatoren.
Betrachtet wurden die Diagnosen Hodgkin-Lymphom (HL; ICD-10-Code C81 ohne C81.0), das Follikuläre Lymphom (FL; ICD-10-Code C82 ohne C82.6), das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL; ICD-10-Code C83.3) sowie die chronisch lymphatische Leukämie (CLL; ICD-10-Codes C91.1; C83.0 (nur 9823/3)).
Charakteristika der Tumoren
Für die Auswertungen auf Tumorebene wurden 4.834 Personen mit einem Lymphom mit einer Erstdiagnose von Januar 2019 bis August 2023 eingeschlossen, um einen mindestens einjährigen Nachbeobachtungszeitraum zu gewährleisten. Den größten Anteil an den dargestellten Diagnosen des Lymphoms macht das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom aus mit 1.830 Fällen (37,9%) (siehe Tabelle).
| Diagnosen | ICD-10-Code | Anzahl |
|---|---|---|
| Hodgkin-Lymphom (HL) | C81 ohne C81.0 | 607 |
| Follikuläres Lymphom (FL) | C82 ohne C82.6 | 781 |
| Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL) | C83.3 | 1.830 |
| Chronische lymphatische Leukämie (CLL) | C91.1; C83.0 (nur 9823/3) | 1.616 |
Die Betroffenen mit Hodgkin-Lymphom erkrankten im Median mit 48 Jahren (Frauen: 47 Jahre; Männer: 49 Jahre), Personen mit DLBCL im Median mit 69 Jahren (Frauen: 70 Jahre; Männer: 68 Jahre). Bei der Gruppe mit Follikulärem Lymphom lag das mediane Alter bei 66 Jahren (Frauen: 66 Jahre; Männer: 65 Jahre) und bei CLL bei 70 Jahren (Frauen: 70 Jahre; Männer: 69 Jahre).
An der Behandlung beteiligte Einrichtungen und Therapien
Insgesamt waren 76 stationäre und 100 ambulante Einrichtungen an der Behandlung der Lymphome beteiligt. Dabei konsultierten zwischen 11% (CLL) und 40% (DLBCL) der betroffenen Personen mindestens einmal eines der sechs DKG-zertifizierten Zentren für Hämatologische Neoplasien (exkl. Kooperationspartner) in Niedersachsen (siehe Abbildung).
Abbildung: Behandlung in Zentren – nach Entitäten (Lymphome)
In der folgenden Abbildungist der Verlauf der systemischen Therapien mit bestimmbaren Protokollen dargestellt (auf die Darstellung von Einzelfällen wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet). Für die 1.059 Fälle (57,9% der Ausgangspopulation mit DLBCL) zeigte sich R-CHOP zum Zeitpunkt 1 (erste systemische Therapie nach Diagnose) als das häufigste verabreichte Protokoll, gefolgt von CHOP.

Der Qualitätsindikator QI2 „R-CHOP bei Erstdiagnose ≤ 80 Jahre und kurativer Therapieintention“ misst, ob Personen mit einem Alter von höchstens 80 Jahren mit DLBCL und kurativer Therapieintention mit R-CHOP (Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) oder R-CHOP-ähnlichem Protokoll behandelt worden sind. Ziel ist ein möglichst hoher Anteil von Personen mit R-CHOP-Behandlung. Für ganz Niedersachsen ergibt sich ein Ergebnis von 58,8% (siehe Tabelle).
| Qualitätsindikator QI2 | Ergebnis auf Personenebene |
|---|---|
| Alle Personen mit Erstdiagnose eines DLBCL (ICD-10 C82.4, C83.3) | 1.830 |
| Zähler: Behandelte Personen des Nenners mit Immunchemotherapie mit R-CHOP (Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) oder R-CHOP-ähnlichem Protokoll | 575 |
| Nenner: Alle behandelten Personen mit Erstdiagnose eines DLBCL (ICD-10 C82.4, C83.3,) ≤ 80 Jahre und kurativer Therapieintention | 977 |
| Quotient | 58,8% |
Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL)
In Abbildung 3 ist der Verlauf der systemischen Therapien mit bestimmbaren Protokollen dargestellt (auf die Darstellung von Einzelfällen wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet). Für die 1.059 Fälle (57,9% der Ausgangspopulation mit DLBCL) zeigte sich R-CHOP zum Zeitpunkt 1(erste systemische Therapie nach Diagnose) als das häufigste verabreichte Protokoll, gefolgt von CHOP.
Der Qualitätsindikator QI2 „R-CHOP bei Erstdiagnose ≤ 80 Jahre und kurativer Therapieintention“ misst, ob Personen mit einem Alter von höchstens 80 Jahren mit DLBCL und kurativer Therapieintention mit R-CHOP (Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) oder R-CHOP-ähnlichem Protokoll behandelt worden sind. Ziel ist ein möglichst hoher Anteil von Personen mit R-CHOP-Behandlung. Für ganz Niedersachsen ergibt sich ein Ergebnis von 58,8% (siehe Tabelle 2).
Hodgkin-Lymphom
In Abbildung 4 ist der Verlauf der systemischen Therapien mit bestimmbaren Protokollen bei Personen mit Hodgkin-Lymphom dargestellt (auf die Darstellung von Einzelfällen wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet). Für die 420 Fälle (69,2% der Ausgangspopulation mit HL) zeigte sich für Personen mit einem Alter von höchstens 60 Jahren BEACOPP-eskaliert als das primär am häufigsten eingesetzte Protokoll mit ABVD als Folgeprotokoll, während für Personen über 60 Jahren ABVD am häufigsten als erstes Protokoll eingesetzt worden ist.
Der Qualitätsindikator QI5 „BEACOPP eskaliert bei fortgeschrittenem Hodgkin-Lymphom“ misst, ob Personen mit einem Alter von bis zu 60 Jahren im Stadium III A/B oder Stadium IV A/B mit BEACOPP-eskaliert behandelt worden sind. Ziel ist ein möglichst hoher Anteil von Personen mit BEACOPP-eskaliert -Behandlung. Für ganz Niedersachsen ergibt sich ein Ergebnis von 60,8% (siehe Tabelle 3).
Der Qualitätsindikator QI3 „Keine alleinige Chemotherapie als Erstlinientherapie bei CLL“ misst, ob Personen mit CLL und Erstlinientherapie mit alleiniger Chemotherapie behandelt worden sind. Ziel ist ein möglichst geringer Anteil von Personen mit alleiniger Chemotherapiebehandlung. Für ganz Niedersachsen ergibt sich ein Ergebnis von 8,9% (siehe Tabelle 4).
Überlebenszeiten – Lymphome
Im Vergleich zu den anderen Gruppen weisen an DLBCL erkrankte Personen eine deutlich schlechtere Prognose auf als diejenigen, die an CLL, Follikulärem Lymphom oder Hodgkin-Lymphom erkrankt sind (Abbildung 5).
Die folgenden Darstellungen beinhalten eine Zusammenfassung der Auswertungen der Daten des KKN, die während der Qualitätskonferenz zum kolorektalen Karzinom im Rahmen der Veranstaltungsreihe Onkologische Versorgungsrealität Niedersachsen vorgestellt wurden. Der Fokus hierbei liegt auf den Therapien sowie der Behandlungsqualität in Form von Qualitätsindikatoren.
Charakteristika der Tumoren
Für die Auswertungen auf Tumorebene wurden 15.206 Personen mit 15.466 Kolonkarzinomen und 7.895 Personen mit 7.899 Rektumkarzinomen mit einer Erstdiagnose von Januar 2019 bis März 2024 eingeschlossen, um einen mindestens einjährigen Nachbeobachtungszeitraum zu gewährleisten.
51,8% der Personen mit Kolonkarzinom waren Männer mit einem medianen Alter von 72 Jahren bei Diagnose. Frauen erkrankten etwas später im Alter von 75 Jahren. Beim Rektumkarzinom waren 63,3% der erkrankten Personen Männer; diese waren zum Zeitpunkt der Diagnose im Median 69 Jahre alt. Frauen erkrankten auch hier etwas später im Alter von 70 Jahren.
Aus den vorhandenen TNM-Angaben ergaben sich für 17,5% der Kolonkarzinome das UICC-Stadium I, für 25,7% das Stadium II, für 20,5% das Stadium III und für 18,6% das Stadium IV; aufgrund von fehlenden Werten konnte für 17,7% der Kolonkarzinome kein eindeutiges Stadium bestimmt werden (siehe Abbildung). Für die Rektumkarzinome ergaben sich zu 13,2% das UICC-Stadium I, zu 13,9% das Stadium II, zu 26,6% das Stadium III und zu 17,1% das Stadium IV; aufgrund von fehlenden Werten und nicht eindeutig zuzuordnenden TNM-Werten zu UICC-Stadien konnte für 29,2% der Rektumkarzinome kein eindeutiges Stadium bestimmt werden.
Verteilung der UICC-Stadien
Verteilung der Stadien
Die folgenden Darstellungen beinhalten eine Zusammenfassung der Auswertungen der Daten des KKN, die während der Qualitätskonferenz zum Prostatakarzinom im Rahmen der Veranstaltungsreihe Onkologische Versorgungsrealität Niedersachsen vorgestellt wurden. Der Fokus hierbei liegt auf den Therapien sowie der Behandlungsqualität in Form von Qualitätsindikatoren.
Charakteristika der Tumoren
Für die Auswertungen wurden 32.236 Personen mit Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms von Januar 2019 bis Dezember 2023 eingeschlossen, um einen mindestens einjährigen Nachbeobachtungszeitraum zu gewährleisten. Das mediane Alter lag bei 71 Jahren.
46,5% der Tumoren befanden sich zum Zeitpunkt der Diagnose im lokal begrenzten Stadium, 7,5% im lokal fortgeschrittenen Stadium und 9,3% waren fortgeschritten bzw. metastasiert. Bei 36,7% der Tumoren konnte kein Stadium bestimmt werden aufgrund fehlender TNM-Angaben (36,4%) oder weil es sich nicht um Adenokarzinome handelte (0,3%).
An der Behandlung beteiligte Einrichtungen und Therapien
Insgesamt waren 69 stationäre und 255 ambulante Einrichtungen an der Behandlung der Prostatakarzinome beteiligt. Die 10 größten Krankenhäuser versorgten 71% der Patienten. Dabei suchten 44,8% der Patienten mindestens einmal eines der 11 DKG-zertifizierten Prostatakrebszentren (exkl. Kooperationspartner) in Niedersachsen auf (siehe Abbildung). Über die Jahre zeigt sich ein leichter Anstieg an Patienten, die in einem DKG-zertifizierten Zentrum behandelt wurden.
Qualitätsindikator QI2 "Befundbericht Lymphknoten"
| Qualitätsindikator QI2 | Ergebnis auf Personenebene | |
|---|---|---|
| Personen mit Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms (C61) | 32.236 | |
| Zähler: | Personen des Nenners mit Befundberichten mit Angaben von pN-Kategorie und Zahl befallener Lymphknoten im Verhältnis zu entfernten Lymphknoten | 10.662 |
| Nenner: | Personen mit Erstdiagnose Prostatakarzinom und Lymphadenektomie | 11.543 |
| Quotient | 92,4% | |
QI2 Bsp. mit csv-Datei
| Qualitätsindikator QI2 | Ergebnis auf Personenebene | |
|---|---|---|
| Personen mit Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms | 32.236 | |
| Zähler: | Personen des Nenners mit Befundberichten mit Angaben von pN-Kategorie und Zahl befallener Lymphknoten im Verhältnis zu entfernten Lymphknoten | 10.662 |
| Nenner: | Personen mit Erstdiagnose Prostatakarzinom und Lymphadenektomie | 11.543 |
| Quotient: | 92.4% | |

Die folgenden Darstellungen beinhalten eine Zusammenfassung der Auswertungen der Daten des KKN, die während der Qualitätskonferenz zum Lungenkarzinom im Rahmen der Veranstaltungsreihe Onkologische Versorgungsrealität Niedersachsen vorgestellt wurden. Der Fokus hierbei liegt auf den Therapien sowie der Behandlungsqualität in Form von Qualitätsindikatoren.
Charakteristika der Tumoren
Für die Auswertungen wurden 4.016 Personen (und 4.021 Tumoren) mit einem kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC) und 19.084 Personen (und 19.308 Tumoren) mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit einer Erstdiagnose von Januar 2019 bis August 2024 eingeschlossen, um einen mindestens einjährigen Nachbeobachtungszeitraum zu gewährleisten. Männer mit einem kleinzelligen Lungenkarzinom (n = 2.239) erkrankten im Median mit 68 Jahren, Frauen (n = 1.777) mit 67 Jahren. Bei den nicht-kleinzelligen Lungentumoren waren die Männer (n = 11.370) bei Erstdiagnose im Median 69 Jahre alt, die Frauen (n = 7.714) 68 Jahre.
Der Großteil der kleinzelligen Lungentumoren (58,9%) war zum Zeitpunkt der Diagnose bereits metastasiert und befand sich somit im UICC-Stadium IV. Weitere 18,9% befanden sich im Stadium III. Bei den nicht-kleinzelligen Lungentumoren waren 44,0% der Tumoren zum Zeitpunkt der Diagnose bereits metastasiert und weitere 19% befanden sich im Stadium III. Aufgrund fehlender TNM-Angaben konnten bei 18,4% (SCLC) bzw. 16,0% (NSCLC) der Tumoren das Stadium nicht bestimmt werden (s. Abbildung xx).
An der Behandlung beteiligte Einrichtungen und Therapien
Insgesamt waren 92 stationäre und 151 ambulante Einrichtungen an der Behandlung der Lungenkarzinome beteiligt. Die 10 größten Krankenhäuser versorgten 71% der Patientinnen und Patienten.
In den betrachteten Jahren konsultierten zwischen 41,6% und 50,0% der Personen mit einem kleinzelligen Lungenkarzinom eines der sechs DKG-zertifizierten Lungenkrebszentren (exkl. Kooperationspartner) in Niedersachsen (siehe Abbildung). Bei den nicht-kleinzelligen Lungentumoren schwankt der Anteil zwischen 50,5% und 54,0%.